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In einer Pressemitteilung des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung vom 16.03.2020 heißt es demnach: „Alle Einrichtungen des Gesundheitswesens bleiben unter Beachtung der gestiegenen hygienischen Anforderungen geöffnet“.

Stand: 23.03.2020
Osteopathie

Physiopathie

Ursprünge der Osteopathie

Beschreibung

Der Begründer der Osteopathie, Andrew Taylor Still, verstand in seiner Idee die Normalisierung aller Gewebe, welche durch ihre komprimierende Krafteinwirkung zu einer „Abweichung in den Knochen“ führten. Der Ursprung des Wortes „Osteopathie“ stammt aus dem Griechischen: „Osteon“ = Knochen und „Pathos“ = Leiden. Dies gibt auch Anlass zu missverständlicher Übersetzung und Deutung als „Knochenkrankheit“. Still selbst schrieb später dazu: „Das ist ein schwerer Irrtum. Ich dachte an den Knochen als Ausgangspunkt pathologischer Syndrome und daraus entstand dann aus „Osteon“ und „Pathos“ die Verbindung „Osteopathie“. Er wählte diesen Namen für sein Therapiekonzept, weil er mit Forschungen am Knochen begann und weil er damit anfing, zunächst das knöcherne Skelett zu normalisieren.

Osteopathie als ganzheitlicher Ansatz

Erst später sah er ein, dass nicht nur Knochen, sondern auch das Verbindungsgewebe zwischen Organen, Muskeln, Sehnen und Bändern durch eingeschränkte Beweglichkeit für Dysfunktionen sorgen kann. Leider beschreibt dieser Name „Osteopathie“ das ganzheitliche Spektrum des Osteopathen nur ungenügend. Es wäre aber sehr schwierig oder fast unmöglich, einen geeigneten Namen zu finden, der das breite Feld der Osteopathie umfassen würde. Also bleiben wir bei der „Osteopathie“. Für A. T. Still war der Knochen der Spiegel der Kräfte, die im Körper wirken. Heute behandeln wir mit manueller Therapie die Knochen- bzw. die Gelenkstellung, ohne uns Gedanken darüber zu machen, wie es zu dieser Stellungs- bzw. Beweglichkeitsveränderung gekommen ist. Die Osteopathie versucht alle Gewebe zu normalisieren, die auf den Knochen eine mechanische oder neurovegetative Auswirkung haben. Sie ist ein medizinisches Behandlungssystem, das sich zur Untersuchung und Therapie der Hände bedient, also sanfter manueller Techniken, wobei das Individuum in seiner Ganzheit erfasst und respektiert wird.

Ziele der Osteopathie

Das Ziel der Osteopathie ist die Wiederherstellung der Harmonie des Gesamtorganismus und seiner Selbstheilungskräfte. Fern von jedem Mystizismus basiert sie auf der äußerst präzisen Kenntnis von Anatomie, Physiologie, Pathologie, Biomechanik, Embryologie usw. Die Subtilität und Integrität der osteopathischen Techniken verlangen fachliche Kompetenz und ein gutes Palpationsvermögen, was die lange und intensive theoretische Ausbildungszeit erklärt. „Pathos“ bedeutet übrigens nicht nur „leiden“, sondern auch „Leidenschaft“. Die Osteopathie gliedert den Körper in verschiedene Systeme, die nur in einem engen und gut koordinierten Zusammenhang funktionieren können. Es darf niemals der Gedanke entstehen, es würde „verschiedene Osteopathien“ geben.

Gebiete der Osteopathie

In der Entwicklung der Osteopathie haben sich folgende Gebiete differenziert:
Parietale Osteopathie
Untersuchung und Behandlung der Gelenke in Funktion und Beweglichkeit in Abhängigkeit zu anderen Körpersystemen Verwandte Techniken finden sich in der heutigen Zeit in der Manuellen Therapie und in der Chirotherapie
Viszerale Osteopathie
Normalisierung der Organbeweglichkeit Unterbrechung von negativen neurovegetativen Afferenzen. Wiederherstellung des internen Organmilieus
Kraniosakrale Osteopathie
Normalisierung der Mobilität der Schädelknochen Verbesserung der Liquorzirkulation Entspannung der Meningealmembranen Neurovegetative Integration

#Quelle bv-osteopathie vom 24.02.2020

Osteopathie hat eine lange Geschichte

Beschreibung

Manuelle „Techniken“ sind wahrscheinlich so alt wie die Menschheit selbst und entwickelten sich ohne Zweifel durch die instinktiven Versuche, das eigene Leiden zu lindern. Obwohl die medizinische Kunst ihre Wurzeln vor mehr als 6000 Jahren im Niltal hat, ist der Anfang der Medizin schlecht dokumentiert. Die ersten archäologischen Funde sind Schädel aus dem Neolithikum mit unverkennbaren Zeichen einer Trepanation, die ein deutlicher Beweis dafür sind, dass diese schwere Operation bereits im frühen Steinzeitalter versucht wurde.

Osteopathischer Aufschwung im 19. Jahrhundert

Andrew Taylor Still sagt: „Mein Ziel ist, dass der Osteopath philosophisch denkt und die Ursache sucht. Osteopathie ist eine Philosophie. Philosophie wird direkt übersetzt als eine tiefe Liebe zur Weisheit“. Für Still war die Erfahrung als Fundament des Wissens wichtig. Er zitiert den englischen Autor Alexander Pope (1688- 1744) aus seinem „Essay on man“ in seiner Autobiographie von 1897: „Das beste Studium vom Menschen ist der Mensch.“ Er studierte, reflektierte und sezierte über Jahre.Während des Bürgerkriegs Ende der 50er Jahre, in dem Still als Chirurg arbeitete, traf er auf Major Abbot, der ihm seine Meinung über die Medizin mitteilte. Er schilderte eine medikamentenfreie Zukunft und redete über Konzepte, die sich mit der „heilenden Kraft der Natur“ befassen würden, ohne nur symptomatisch zu denken. Diese Worte hinterließen einen starken Einfluss auf Still, und je mehr er darüber nachdachte, desto klarer wurde ihm, dass er diese Gedanken in ein neues und besseres System für die Menschheit einfügen musste. Später sagte Still über Major Abbott: „Er brachte die osteopathische Idee in meinen Kopf und erinnerte mich an die Wissenschaft des Heilens ohne Medikamente.“

Wegbereiter der Osteopathie

Im 19. Jahrhundert wurde die medizinische Literatur auf die Beteiligung des Rückenmarks bei pathologischen Zuständen aufmerksam. Seit Galen wurde dies als ein passives System, als „Dirigent“ von ZNS und Zielgewebe verstanden. 1820 wurden die Gesetze von Bell und Magendie bekannt, 1830 der Reflexmechanismus von Marshall Hunt, 1840 die Veröffentlichung des Deutschen Benedict Stilling über das autonome Nervensystem und die reflexbasierten Mechanismen in Verbindung mit sensorischen und vasomotorischen Nerven, mit denen er versuchte, Gewebekongestion zu erklären. Einige von diesen Arbeiten wurden später von Claude Bernard und Edward Brown-Sequard bestätigt. Es herrscht kein Zweifel daran, dass Still diese Ideen teilweise kannte, weil sie sehr gut mit der osteopathischen Theorie seiner Zeit übereinstimmten. Es wird zudem vermutet, dass eine „Abhandlung über Irritation der Spinalnerven“ von 1843 von J. Evans Riadore als eine Informationsquelle für die ersten Osteopathen diente. Ein anderer englischer Arzt namens Hilton betonte die Verbindung zwischen anatomischer Struktur und physiologischer Funktion, die Verbindung zwischen der Funktion des autonomen Nervensystems und übertragenem Schmerz. Still sagte 1910: „Hauptziel der Osteopathie ist eine Erleichterung der Blockierung.“ Er betrachtete das Nervensystem und die Irritation der Nerven als eine Reaktion. Die Ursache war etwas anderes.

Entwicklung des osteopathischen Konzepts durch Still

Da es Knocheneinrenker schon lange vor Still in den USA gab, liegt die Vermutung nahe, dass er die Techniken kannte, bevor er das osteopathische Konzept entwickelte. Seine Techniken unterschieden sich deswegen deutlich von denen der Knocheneinrenker. Er baute die Techniken in seine Philosophie der Behandlung von allen Erkrankungen und Leiden ein, und nicht nur die „Reposition“ von Knochen, um Schmerzen zu reduzieren. 1864 erlebte die USA eine Meningitis-Epidemie, die auch Stills Familie nicht verschonte. Still machte die schreckliche Erfahrung, drei Kinder dadurch zu verlieren. Weder Priester noch Ärzte konnten seine Familie retten. Viele hätten sich nach einer solchen Tragödie von Gott abgewandt. Still aber kam zu der Vorstellung, dass Gott von Perfektion und Wahrheit war. Er hatte den Menschen als eine perfekte Maschine entwickelt, und so kam er zu dem Schluss, dass die erste Pflicht eines Arztes in der Versorgung dieser Maschine liege. Soweit er sehen und fühlen könne, solle er für eine perfekt arbeitende Ordnung sorgen. Still hatte die Vorstellung, dass Gott keine Erkrankungen im Körper entstehen ließ, die Medizin und Heilmittel von außen heilen konnten. Seine intensiven Anatomiestudien führten ihn zu der Ansicht, der Zustand des Körpers sei zuerst durch vorsichtige Palpation einzuschätzen und die normale Funktion durch vorsichtige Manipulation wiederherzustellen.

Definition von Osteopathie

Still war im Wesentlichen ein Pragmatiker. Wenn er eine bestimmte Therapieform beurteilte, stellte er stets die Frage: „Funktioniert es?“ Er war aber weitblickend und immer bestrebt, einen besseren Weg zu finden. Diese Eigenschaften motivierten ihn, seine eigene medizinische Arbeit und darüber hinaus den ganzen medizinischen Berufsstand zu verbessern. Zusätzlich war er ein philosophischer Denker, der wissenschaftliche Abhandlungen über die osteopathischen Ideale schrieb. Es ist schwierig, Osteopathie zu definieren. Betrachtet man aber die zwei Teile des Wortes genau, kann man die Definition besser verstehen. Das Wort „osteon“ heißt Knochen, „pathos“ ist die Fähigkeit, Sympathie, Emotion, Leidenschaft, Leiden und Gefühle zu erregen. D. L. Tasker schreibt in „Principles of Osteopathy“ 1916: „Es gibt viele Definitionen von Osteopathie. Jede hat die Tendenz, sich selbst einzugrenzen. Eine Definition limitiert immer die Sache, die deliniert wird. Deswegen ist keine Definition von Osteopathie komplett. Wir reden über ein Prinzip, nämlich über das Universelle, das niemand kennt.“ Littlejohn soll gesagt haben: „Du sollst nicht fragen, ob es ein Fall für die Osteopathie ist, sondern, was die Osteopathie für diesen Fall machen kann.“

Der osteopathische Weg

Im Hinblick auf die Entstehung der Osteopathie sieht man, dass Still mehr als ein „leuchtender Knocheneinrenker“ und die Osteopathie keine Schule der manuellen Medizin war. Sie ist eine Philosophie der medizinischen Arbeit, die durch die richtige Anwendung zu allen Methoden eines Osteopathen passen würde. Osteopathische Manipulationstechniken sind keine Besonderheit nur bei Problemen des Bewegungsapparates, sondern ein integrierter Teil der praktischen Arbeit, basierend auf dieser Philosophie. Still versuchte, mit seinen Methoden den Menschen und der Natur näherzukommen, wurde allerdings wegen seiner religiösen und poetischen Art kritisiert. Der norwegische Autor und Philosoph Jostein Gaarder machte eine treffende Aussage, die Ziele und Philosophie von Still beschreibt: „In den Schulen wird zu viel Wert auf Wissen und zu wenig auf Einsicht gelegt.“ Kenntnis kann man durch Lesen erreichen, die Einsicht nur durch Reflektieren und daraus folgende Anwendung und Verständnis. Still sagte: „Ich unterrichte Prinzipien, so wie ich sie verstehe, und keine Regeln.“ Ein guter Weg, den Reichtum der osteopathischen Philosophie zu verstehen, ist, Stills Arbeiten zu lesen.

#Quelle bv-osteopathie vom 24.02.2020